Der Flaggenstreit 1: Die Noordlandflagg

Ein elendiges Thema. Vor allem dann, wenn es sehr abstrakt ist und an Relevanz mangelt. Aber ich leg mal los. Hin und wieder geistern im Internet Flaggen, die einen norddeutschen Staat und/oder die niederdeutsche Sprache repräsentieren sollen. Ein Beispiel ist die erwerbliche „Noordlandflagg“, deren Unterstützer (vielleicht auch nur ein einziger Norddeutscher) fleißig Blogs, Wikipedia-Seiten, Twitter, Facebook, Nachrichten-Kommentarspalten etc. damit füllen, damit möglichst viele den Eindruck haben sollen, als hätte das sagenumwobene „Noordland“ [sic!] bereits eine Flagge und das Thema wäre vor jeder Diskussion schon erledigt.

Und ich muss sagen, dass sie ja (zumindest diese helle Variante) recht hübsch ist. Es gibt bloß (fernab der Kritik am Aktionismus) mehrere Probleme mit ihr.

1. Die Flagge wird in ihrer Farbanordnung und Gestalt schon verwendet, nämlich vom Volk der Wepsen in Karelien. Und gerade einem Volk, das nur noch wenige tausend Muttersprachler hat und geschützt werden sollte, sollte man nicht die Farben stehlen: http://de.wikipedia.org/wiki/Wepsen. Mit diesem KO-Kriterium hat sich das schon erledigt. Gerade für Leute, die noch Plattdeutsch sprechen, sollte man da etwas Demut wagen und an die eigene Situation denken. Ein „Wir sind (noch) ein paar mehr und deshalb gehören die Farben uns“ geht einfach nicht.

2. Entgegen sonstiger Flaggen mit „nordischem Kreuz“ hat dieser Flaggenvorschlag keine Bedeutung. Grün sei irgendwie das Gras, gelb einige Felder und blau der Himmel. Okay… das trifft dann auf die halbe Welt zu. Kann man (im Gegensatz zu Punkt 1) drüber hinwegsehen, aber es ist ungünstig und passt vexillologisch weder zu (Nord-)Deutschland, noch Skandinavien bzw. Nordeuropa. Mit grünem Gras wärmt man niemanden auf.

3. Der kleinste Kritikpunkt: die Farben sind sehr schwach. Sie ist zwar heraldisch korrekt, indem die Farben (Blau und Grün) von einem Metall (Gelb/Gold) getrennt werden, aber es fehlen die Kontraste. Das ist, wie gesagt, nicht weiter schlimm — wenn nicht die anderen Punkte gegen sie sprechen würden.

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